
Cornelius Fischer
Fotograf aus Aarau
Podcast Host beim "Im Bild - de zemli fotografisch Podcast"
Farbmanagement ist in der Fotografie eines dieser Themen, das im Idealfall völlig unspektakulär ist. Ist alles sauber eingerichtet, denkt man beim Bearbeiten nicht mehr darüber nach. Man vertraut einfach dem Monitor, dass schon alles richtig dargestellt wird. Spannend wird es erst dann, wenn dieses Vertrauen fehlt.
Ich nutze seit bald zwei Jahrzehnten EIZO ColorEdge Monitore. Aktuell arbeite ich im Atelier an einem EIZO ColorEdge CG318-4K. Dieser Monitor ist meine Referenz für Bildbearbeitung, Softproof und Druckvorstufe. Den integrierten Kalibrierungssensor des EIZO gleiche ich zusätzlich auf ein externes Spektralphotometer, ein X-Rite ColorMunki, ab.
Das klingt vielleicht etwas pingelig, ist es aber nicht. Der integrierte Sensor im EIZO ist ein Colorimeter. Solche Geräte messen mit RGB-Filtern und bilden damit die Farbwahrnehmung des menschlichen Auges nach. Die Messungen sind schnell und präzise. Filter können jedoch über die Jahre altern oder sich minimal verändern. Deshalb gleiche ich den internen Sensor meines ColorEdge auf ein externes Spektralphotometer ab. Dieses misst das Lichtspektrum deutlich feiner aufgeschlüsselt und dient mir als übergeordnete Referenz. So stelle ich sicher, dass mein EIZO nicht nur regelmässig, sondern auch langfristig konsistent kalibriert wird. Mein MacBook Pro war in diesem Workflow bisher jedoch die weniger kontrollierte Komponente.
Das Hauptproblem: D65 gegen D55
Apple Displays sind ab Werk wirklich gut. Das MacBook Pro Display ist hell, kontrastreich, scharf und farblich präzise und stabil. Trotzdem hatte ich im Alltag immer wieder ein Problem: Das MacBook Pro ist von Apple in der Voreinstellung sowie im Fotografie-Referenzmodus auf D65 ausgelegt. D65 entspricht grob Tageslicht mit 6500 Kelvin und wirkt im Vergleich zu D55 oder D50 kühler. In vielen digitalen Workflows ist das durchaus sinnvoll. In meinem Atelier arbeite ich jedoch bewusst mit D55. Der Grund ist einfach: Meine Raumbeleuchtung ist mit 5300K Tageslicht normiert. Der Monitor ist somit an das Raumlicht angepasst und die Farbwahrnehmung am Monitor passt perfekt zur Wahrnehmung von Referenzprints. Wenn ich nun am EIZO mit D55 arbeite und danach unterwegs am MacBook Pro mit D65 Bilder bearbeite, verschiebt sich die Wahrnehmung. Das betrifft vor allem den visuellen Weissabgleich.
«Ein Bild, das am MacBook angenehm neutral wirkt, kann später am EIZO plötzlich zu warm oder zu kühl erscheinen.»
Gerade Hauttöne, neutrale Wände oder weisse Hemden zeigen solche Abweichungen ziemlich gnadenlos. Ich verliere damit die Konstanz in meiner Bildsprache. Und genau das ist im fotografischen Alltag ein echtes Problem.
Warum der Calibrite Display Plus HL so interessant ist
Der Calibrite Display Plus HL ist ein Colorimeter für die Displaykalibrierung. Das «HL» steht für High Luminance. Der Sensor ist also für sehr helle Displays und moderne Technologien wie Mini-LED, OLED und Apple XDR Displays optimiert. Der entscheidende Punkt ist aber nicht das Messgerät selbst. Spannend ist, dass Apple den Calibrite Display Plus HL inzwischen direkt im eigenen Pro Display Calibrator unterstützt. Damit lassen sich unterstützte Apple Displays nicht einfach nur klassisch mit einem ICCProfil profilieren, sondern über Apples eigene Display-Kalibrierung einmessen. Apple nennt dazu die 14" und 16" MacBook Pro Modelle ab 2021 sowie das Apple Studio Display und das Pro Display XDR.
Für mich war das der Punkt, an dem das Gerät wirklich interessant wurde. Denn bisher war das MacBook Pro zwar sehr gut, aber farblich nicht so optimal in meinen Workflow eingebunden, wie ich es mir gewünscht hätte.
Profilierung ist nicht dasselbe wie Kalibrierung
Viele von uns haben Displays schon seit Jahren profiliert. Dabei wird die Farbdarstellung eines Displays gemessen und ein ICC-Profil erstellt. Dieses Profil korrigiert die Ausgabe über das Betriebssystem und farbmanagementfähige Programme. Das funktioniert grundsätzlich. Aber es ist nicht dasselbe wie ein Display über einen Hardware- beziehungsweise Referenzmodus-Workflow einzumessen. Bei Apples Full Calibration arbeitet man direkt mit den Referenzmodi des Displays. Die Messung wird über Apples Pro Display Calibrator durchgeführt und die Zielwerte werden im System als eigener Referenzmodus hinterlegt. Für meinen Alltag fühlt sich das wesentlich sauberer an, als eine reine Softwareprofilierung über ein zusätzliches ICC-Profil.
Ich schreibe hier bewusst einen Erfahrungsbericht und keinen Labortest. Mich interessierten keine Testreihen, sondern die praktische Frage: Kann ich mein MacBook Pro so kalibrieren, dass ich den Ergebnissen im professionellen Alltag vertraue?
Mein Setup
Kalibriert habe ich mein 14" MacBook Pro mit M5 Pro unter macOS 26.5. Als Ziel habe ich D55 gewählt, passend zu meinem EIZO ColorEdge CG318-4K und zur Raumbeleuchtung im Atelier.

Gamma- und HDR-Einstellungen lasse ich hier bewusst weg. Für meinen Workflow war der Weisspunkt das zentrale Thema. Genau dort lag bisher die Differenz zwischen MacBook Pro und EIZO. Der Kalibrierungsprozess selbst ist Apple-typisch nüchtern. Messgerät anschliessen, in den Systemeinstellungen beim Display die Voreinstellungen öffnen, einen Referenzmodus anpassen, den Calibrite Display Plus HL in der Displaymitte platzieren und die vollständige Kalibrierung starten.









